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Im Frühsommer 1788 entstand auf der Brandfläche der alten Stadt Neuruppin und des abgesteckten Erweiterungsgebiets eine Großbaustelle. Für die geplanten 70 Häuser des ersten Baujahres wurden die Baumaterialien, Ziegel, Dachsteine, Kalk, Holz, Lehm und Stroh herangeschafft, die Baugruben ausgehoben, vor der Baustelle, wo es anging, nach Kies oder Sand gegraben. Für Maurer, Zimmerleute, Lehmer, Dachdecker, später auch für Glaser, Schlosser, Töpfer etc. gab es gute Arbeit. Gesellen und zahlreiche Hilfskräfte aus dem Ruppiner Land, der gesamten Kurmark, auch aus dem Ausland, wanderten nach Neuruppin, um bei den zehn Maurer- und den sieben Zimmermeistern in Lohn zu gehen. Insgesamt waren im Juli 1788, nach einer Statistik Braschs, 226 Maurer und 170 Zimmerer, also zusammengenommen 396 Handwerker auf der Baustelle beschäftigt. Zu dieser Anzahl an qualifizierten Baugesellen kamen noch 320 Handlanger, die für Hilfsarbeiten, z. B. Schacht- und Transportarbeiten benötigt wurden, so daß sich zu dieser Zeit insgesamt 716 fremde Bauarbeiter in der Stadt befanden. Diese große Anzahl an fremden Personen, die in das soziale Geflecht einer kleinen städtischen Gemeinschaft schon wegen der Lohnarbeit und ihrem Wanderleben nicht integrierbar war, legte Vorsorgemaßmahmen zur Sicherheit nahe. Zumal es wahrscheinlich schien, daß nach schwerer Arbeit und Bier am Abend sich die Spannungen des Tages in Gruppenkonflikten artikulieren könnten. Der Justizrat Noeldechen schlug deshalb, als schon wider ein kleiner Lärm mit den fremden Mauergesellen gewesen, Voß vor, beim König zu beantragen, vom hiesigen Bataillon etwa 40 Mann hier zu lassen. Der Generalleutnant v. Pfuhl, dem er diese Bitte vorgetragen habe, meinte aber daß darüber nur der König entscheiden könne. Ohne das Militär – so Noeldechen – sei die Sicherheit in der Stadt nicht zu gewährleisten. (…) Die Anwesenheit der Soldaten auf der Großbausteile brachte aber nicht die gewünschte soziale Ruhe, sondern sie löste selbst, insbesondere durch die Haltung der Offiziere, einige Kravalle mit den Gesellen aus. Es herrschte in den beiden ersten Jahren des Wiederaufbaus ein Mangel an Bauarbeitern aller Gewerke, so daß überlegt wurde, ob doch Annoncieren in den Zeitungen und Intelligenz-Blättern Arbeitskräfte angeworben werden könnten. Andererseits aber sorgten einige Maßnahmen fur die Zunahme der Spannungen zwischen Meistern, Gesellen und Beamten.

In: „Der Wiederaufbau der Stadt Neuruppin nach dem grossen Brand von 1787 oder: wie die preussische Bürokratie eine Stadt baute ; nach den Akten rekonstruiert und erläutert“
von Ulrich Reinisch, 2001