Das Neuruppiner Bürgerhaus und die Tätigkeit
des Königlichen Bauinspektors Bernhard Matthias Brasch.
Max Neumann, Regierungsbaurat, Neuruppin 1935
Von Bedeutung für die Grundrißbildung des Hauses sind immer die Treppen
in ihrer Lage und ihrer Ausbildung gewesen.
Die Beziehung der Treppe -um 1700- zum Haus ist von zweierlei Art;
Sie weist einerseits auf den Hauseingang, anderseits auf die der Treppe zugeordneten Zimmer.
Das Treppenhaus erhält günstigenfalls nur die Länge der halben Haustiefe,
also von 12-15 Fuß, so ist die Einschaltung einzelner gewendelter Stufen unvermeidlich.
Bei den zahlreichen Neuruppiner Kleinbürgerhäusern liegt die Treppe im Flur.
Sie ist dann einläufig und nimmt die halbe Flurbreite ein.
Penther, ein Architekturschriftsteller um die Mitte des 18.Jahrhunderts, hebt als Notwendigkeit für eine gute Treppe heraus, „daß zwey Personen gut nebeneinander die Treppe hinaufsteigen können und nicht einer hinter dem anderen als Laquai herzutraben nötig habe; auch müsse ein Cavaliere sein Frauenzimmer anständig die Treppe hinauf- und herabführen können.“
So war die Anlage von ins freie führenden Treppenhaus-Fenstern
um 1780 eine Selbstverständlichkeit geworden.
Genau wie die Tritt- und Setzstufen sind auch die Geländer immer aus Holz.
Die Ausbildung der Geländerstützen in der im Barock beliebten Weise als schwer profilierte Docken oder Baluster von quadratischem oder rundem Querschnitt ist Braschs Bauten ganz ungebräuchlich. Der Schlichtheit des damaligen Bürgerhauses entsprach mehr die aus dem Brettgeländer entwickelte Form. Hier ist allerdings eine außerordentliche Mannigfaltigkeit festzustellen, und es wäre reizvoll, die ganze Formenfülle in Zusammenhang wiedergegeben zu sehen.
Einfachere und reichere aus dem Brett geschnittene Baluster
bilden das eigentliche Geländer, bei einfacher Ausführung
aus bodenständiger Kiefer bei reicherer aus Eichenholz.
Der spiralförmig gekrümmte Anfänger der Treppenwangen, der Mäkler, wie er besonders im Rokoko bei reicheren Treppenanlagen üblich war, setzt auf dem verlängerten und geschweiften Stiegenantritt elegant auf und bildet so in gefälliger Form einen erweiterten Treppenanfang.
Hier zeigt sich die gute handwerkliche Kunst des Tischlers am besten.
