Warum, Wer, Wie ?

Vorstellung des Projekts Treppenforschung in Neuruppin

1.Vorbemerkung

Die Stadt Neuruppin besitzt mit ihren historischen Schwerpunkten Kronprinz Friedrich in Preußen und seiner Gartenanlage, Karl Friedrich Schinkel, Theodor Fontane und Neuruppiner Bilderbogen einen besonderen Schatz: eine geschlossene, homogene Stadtanlage in den Grenzen des Wiederaufbaus ab 1787 nach dem großen Stadtbrand, die den Gedanken der (zeitgenössischen) Aufklärung in die Architektur aufnahm. Sie spiegelt den Übergang vom Barock zum Klassizismus wieder. Dabei bildet das Neuruppiner Bürgerhaus als Ganzes und in seinen Teilen wie die Fassade, Fenster, großzügige Haustüren und -tore den Mittelpunkt; hinter letzteren verbirgt sich ein städtebauliches Detail, das an Handwerkskunst, Schönheit und praktischer Vollendung kaum zu überbieten ist: die Treppe bzw. das Treppenhaus. Vom Architekten und Denkmalpfleger sowie Begründer der Erforschung historischer Treppen (Scalologie), Prof. Dr.-Ing. Dr. Friedrich Mielke (1921-2018, Potsdam, Augsburg), wurde sie als „Königin der Architektur“ bezeichnet.

Seine Bücher „Die Treppe der Potsdamer Bürgerhäuser im 18. Jahrhundert“ (1957) und „Das Bürgerhaus in Potsdam“ (1958) sind bis heute denkmalpflegerische Wegweiser und dienen der historisch-denkmalpflegerischen Grundlagenforschung; sein Forschungsgegenstand Potsdamer Treppen führte folgerichtig zu denen in Neuruppin. 

15.000 Treppendossiers aus aller Welt erarbeitete der Scalologe, aber das nach 1787 entstandene Treppenhaus von Neuruppin fehlt bis heute. Das Mitglied im Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz wusste um die historisch-denkmalpflegerische Brisanz der Stadt Neuruppin und seiner Treppenhäuser und hatte mehrfach Neuruppin dahingehend angeschrieben. 1991 führte folgerichtig seine Anfrage im Heimatmuseum Neuruppin dazu, das Neuruppiner Bürgerhaus und die Aufnahme der Treppenhäuser anzugehen.

Die untere Denkmalschutzbehörde, Roland Wende und André Maier, sowie das Museum, Irina Rockel, wurden darauf von Prof. Dr. Mielke in der Arbeitsstelle für Treppenforschung in Konstein (heute Friedrich-Mielke-Institut für Scalologie der Ostbayrischen Technischen Hochschule Regensburg. Ansprechpartner: OTH Regensburg, Fakultät Architektur, Wiss. Mitarbeiterin Sophie Schlosser MA. (friedrich-mielke-institut[at]oth-regensburg.de) theoretisch und praktisch eingewiesen und maßen daraufhin fünf Treppenhäuser in Neuruppin auf. 

2.Zielstellung

Schaffung einer Dokumentation zu barocken bzw. frühklassizistischen Treppen und Treppenhäusern aus der Zeit des Wiederaufbaus von Neuruppin im Zeitraum von 1788 bis 1798. Diese soll der Stadt Neuruppin als Arbeitsgrundlage zur Verfügung gestellt werden, denn es gibt bereits Bürgerhäuser, deren Treppenhaus komplett entkernt, die historische Treppe entfernt und als „moderne“ Treppe außen angestellt wurde (August-Bebel-Straße 24).

Die Dokumentation soll einen Überblick geben über den heute noch vorhandenen historischen Treppenbestand (Originalität) in Neuruppin und die Ausführung der einzelnen Treppe

  • die Art und Form 
  • die Beschaffenheit
  • die Konstruktion
  • die Lage im Haus
  • die verwendeten Materialien
  • Handläufe und Zierrat
  • Reparaturen oder Veränderungen im Laufe der Zeit
  • respektive der Zustand heute.

Hieraus lassen sich nicht nur historische, sondern auch künstlerische und soziale Aspekte ableiten, die Prof. Mielke als „Zusammenhang zwischen Stufenhöhe und gesellschaftlicher Stellung“ definierte. 

3.Das Projekt

3.1. Inhaltlicher Umfang 

Es gibt ca. 500 Bürgerhäuser in der Stadt. Begonnen werden wird mit den bereits bekannten repräsentativen Häusern. Jedes erfasste Treppenhaus soll s.o. untersucht und schriftlich festgehalten werden. Als Grundlage der Dokumentation dienen die Aufmaßblätter der wissenschaftlichen Scalologie von Prof. Friedrich Mielke, welche mit Bildern und eventuell digitalen Aufmaßen ergänzt werden. Damit wird die Anwendung der wissenschaftlich-denkmalpflegerischen Standards, die Prof. Mielke begründete und die heute auf jedwede Treppenforschung angewendet wird, gewährleistet.

3.2. Zeitlicher Umfang

Die Arbeit soll schlussendlich mit einer Dokumentation bis zum 250. Geburtstag von Karl Friedrich Schinkel 2031 abgeschlossen sein und an die Stadtverwaltung, Untere Denkmalbehörde beim Kreis übergeben werden. 

3.3. Mitwirkende des Arbeitskreises

Alle arbeiten derzeit ehrenamtlich. 

André Maier (1971), ausgebildeter Bautischler (NWG) und Staatlich geprüfter Techniker für Altbauerneuerung und Baudenkmalpflege (FS Detmold), 2017 Restaurator Handwerk (Restaurierungszentrum Berlin). Er besitzt mit der Aufnahme der fünf Treppenhäuser in Neuruppin bereits praktische Erfahrungen.

Stefan Schurr (1977), Schreinerlehre mit Gesellenabschluss (Ulm), Meisterschule mit Abschluss Tischler-Meister 2007 (Ulm), seitdem Tischlermeister und in der Restaurierung und Denkmalpflege tätig, 2017 Restaurator im Handwerk (Restaurierungszentrum Berlin).

Rene Wildgrube (1977), Architekt m.a.arch. und Fotograf
als Bauzeichner 1994-1997 ausgebildet, sammelt in Neuruppin bis 2004 architektonische Erfahrungen um nach dem Studium der Architektur in Potsdam zahlreiche Berliner Wohnungsbauprojekte zu entwickeln. „stadtraumfoto“ ist seine Passion der europäischen Stadtarchitektur.

Irina Rockel (1953), Archivar und promovierte Historikerin, wurde von Prof. Dr. Mielke in das Thema seinerzeit eingewiesen und vorbereitet und ist der Ansprechpartner. Außerdem übernimmt sie die archivalische Aufbereitung (Uni Regensburg, GStA Preußischer Kulturbesitz VI. HA, NL F. Mielke) für das Projekt. Auch sie verfügt über Mielke-theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrungen.

3.4. Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung

Eine Begleitung durch die Stadt Neuruppin ist unerlässlich. Da wir Privat- oder Stadthäuser betreten, ist eine Öffentlichkeitsarbeit projektwichtig. Bürgermeister Ruhle ließ ein Empfehlungsschreiben zur Unterstützung des Projekts für die betroffenen Häuser/Bürger erarbeiten. Begleitet wird der Arbeitskreis vom Bauamt der Stadt.

3.5. Absicherung

Für den Fall, dass in den kommenden sieben Jahren das Vorhaben aus (verschiedenen) Gründen nicht weitergeführt werden kann, wird das Projekt mit dem Ist-Stand beendet. Die Ergebnisse der Dokumentation zum Zeitpunkt eines Abbruchs werden der Stadt Neuruppin, der Unteren Denkmalschutzbehörde und dem Friedrich-Mielke-Institut der Universität Regensburg übergeben.

Werkzeuge:

Geplantes Werkzeug:
– Gliedermaßstab / Meterstab/ Zollstock ( alles 3 das gleiche) in verschiedenen Längen und Ausführung
– Bandmaß
– Schieblehre
– Stahllineal
– El. Distanzmesser ( Laser Messgerät)
– Profilkamm
– Stecheisen, Skalpell, Messer ( für ggf. Kratzprobe zur Materialerkundung, wo erlaubt)
– Kamera und Licht zum ggf. Ausleuchten
– Testen von Bau-Apps auf dem Handy zur Tauglichkeit bei 3d-Aufmaß/ Fotos
– 1:1 Maß auf Papier für eventuelle fotografische Größenverhältnisse
– Ral-Farbfächer / Farbkarte
– Treppe- Listen je nach Treppe
– Schreib und Zeichengeräte
– Zeichen- und Transparent-Papier